Die Sprache, wie der Oberhesse sie spricht, klingt dem Fremden rauh, das ist sie, zugegeben, aber sie ist auch körnig und voller Humor und Kraft. Sie ist mit treffenden Bildern geschmückt, übertrifft an Schönheit und Vielgestaltigkeit unser nüchternes Hochdeutsch.
Ein Heimatdichter sagt: „Das Hochdeutsch ist gewiss gewandt, doch fehlt ihm oft der Saft. In unser Bauern Bildersprach da liegt noch Murr und Kraft.“
Mögen auch kommende Generationen diese einzigartige oberhessische Mundart pflegen und somit zum Erhalt dieses seltenen Dialektes beitragen.
Zwetschenhonig - Quetschehoingk
Frühstück - Froihsteak
Quark - Matte
Uhr - Auer
Honigtopf - Hoingkdebbe
Dünner, magerer Mann - Derrabb
ein starker Esser - Freasser
einer der sich zuviel vorgenommen hat, sich übernommen hat - Ufflot
einer der nur auf seinen Vorteil bedacht ist - Proffitche
ein Schwätzer - Breimaul
eine böse Frau - Gewirreroos
Humorist - Bossemächer
Vogelsberg - Vuelsberg
ein Betrunkener - Volleul
ein Jähzorniger - Zoarngickel
Jauchegrube - Pulloach
Herbstnebel - Quetschennäewwel
Kinderaugen - Keanneraache
eine tolle Frau - e bawaarisch Mensch
ein Angsthase - Hoasseschäesser
Wildschwein - Wellsau
Wer ein bißchen etwas ist, ist ein Oberhesse.
(Wer iewes eabbes eass, eass ean Owerhess).
Ein Wagen voll beladen mit Steinen steht allein am Rain im Regen.
(Ean Woa mead Staoh stitt allao oam Raoh eam Roah.)
Hinten wie Vorne
(Heanne wäi Voanne)
Lieber ein bißchen zuviel gegessen als zu wenig getrunken.
(Läiwer a bessi zouväil geasse als wäi zou wingk getrungke.)
Leute die wenig reden haben mehr Zeit zum Denken.
(Leut däi wuh wingk schwätze huh mieh Zeit zoum Denke.)
Lieber nasse Füsse als ein trockenen Hals.
(Läiwer nasse Foiss als en troackene Hals.)
Den Vogel der morgens pfeift frißt abends die Katze.
(Den Vuhel der meuens peift freßt owens die Katz.)
Us Heimat eas des Ulfatal.
Mir fenne das all ganz normal.
Ean Ulf eas immer allsemool woas luus.
Des Dorf eas nit kloa, owwer ach nit ganz gruuß.
Imms Dorf erimm, do kann mer gout wandern.
Mer guggt immer off Ulf, vo eim Kebbel zoum annern.
Vom Luugwaald off de Schmedderberg -
bis zoum Vuuhlberg ean Taunus kann mer häi gugge.
Vom Ailsdärfer- off de Aale Berg,
kann mer fast hi spugge.
Die Stookaude eas wonnerschii.
Iwwers Schauenfeald off de Katzeberg gieh.
Oh de Ruure Hegge entlang, immer Ulf eam Bleack,
iwwern Kirchberg, Roadberg, Rill off die Hirzbach zoum Luugwaald zereck.
Eam Froihjohr bloihe häi all die Beem.
Ean usen Fachwerkhäuser wuud mer ach eam Sommer ohgenehm.
Wu Äbbel, Birn ean Quetsche reife,
muß mer nit nooch de Sterne greife.
Wu groine Waald us grüßt vom Berg.
Wu Waas ean Raps weest off de Fälder.
Wu durch die Wisse laafe die Stärk
Ean wu eam Herbst dann gebraucht wärd die Kälder.
Wu Koih ean Gäul stolzieen eam Grooas.
Wu mer ruffe hiert de Guggugg.
Obb ean zou sieht mer Riih ean Hoos.
Ean das eas häi all koin Spugg.
Das alles kann nur Heimat bedeure.
Häi ean Ulf eas doch schii.
Häi du aale Kircheglogge läure.
Woas will mer off de Welt noch mi?
Ean ihrer Freizeit, das mächt Seann
seu väile Ilfer ean Vereine drenn.
Häi kannsde schisse, kegeln,forsche,basteln,wandern,
Fußball späin ean singe, met Annern .
Kaninche ean Dauwe kennsde züchde.
Oh Fassenoocht ean die Bütt, ean vierm Struhbär flüchde.
Dusde gern lösche, kannsde bei de Feuerwehr seu
owwer de guggst halt emool bei de Wirtschafte vobei.
Tischtennis ean Theater späin e poor ganz gern.
Jederzeit kannsde Jungbleeser wärn.
Vereine hu mir mih wäi drei,
do eas fier jeden woos debei.
De Jugendtreff ean de Seniorenclub,
däi runde das Ohgebot noch obb.
Bei uus kann mer, eam Weander, off de Wisse Schlirre fohn
ean Schlittschouh laafe.
Wurscht ean Bruut kann mer häi kaafe.
Zoum Doggder hu mer aach nit weit –
das eas alles näit sebstverständlich ean de heudiche Zeit.
Die Schouhl ean die Kirche seu oohm Ort –
vo häi gieht mer, wänn iwwerhabt, doch nur ungern fodd.
Mir seu doch häi richdiche Owerhesse!
Das döffe mer aach ean Zukunft nit vergässe .
Us Keann musse us Mundord lärnn,
daß mer se ean de Werreraa alls weirer hearn.
Petra Graf
Ich hab dich gern, ich mag dich leiden,
Du schaust so treu wie unsere Kuh
Und machst genau wie die beim kauen
Dein goldiges Mündchen auf und zu.
Du tust wie unsere Liese auch glänzen
Um den Mund herum so zuckersüß
Und hast genau dieselben Formen,
Die großen, breiten Füße.
Eich hunn deich gern, eich mog deich leire,
Dou guckst so treu waie uus Kouh
Ean mächst genah wä däie beim kaue
Doi goldig Mäulche uff ean zou.
Dou doust wäie uus Lies auch glänze
Ims Maul ehrim so zuckersoiß
Ean hoast genah daiselwe Forme,
Däie groußw, braone Foiß (Hörprobe)
Der Arzt frug einen Rekonvaleszenten:
„Na, wie geht es jetzt ?“, so bekam er zur Antwort:
„Es eas mer wirrer so wuhl wäi dm Vuel ean de Lofft.“
(Es ist mir wieder so wohl wie dem Vogel in der Luft.)
In einer Dorfbäckerei: Kunde fragt: „Gibt es keine Brötchen mehr ?“
Bäcker: „Die sind alle weg.“ Kunde: „Wer ist denn da dagewesen ?“
(Soi die Weck wek ? Dei soi all all ! Ei wer woar dann do do?)
Bevor ich etwas auf dem Teller lasse, nehme ich lieber etwas Magenschmerzen in
Kauf
Laiwer de Maache verrenkt als em Wirt was geschenkt
Der schlaue Mann denkt vorausschauend
Vorne gerriert, brennt hinne näay oh
Und hier die Zugabe
(Texte gesprochen von Rolf Hartmann, Nidda)
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